Wert-volle Schulen

Wie kann man Jugendlichen auch in der Schule Werte vermitteln oder sie für Werte begeistern? Mit unserem Projekt Wert – volle Schule sind wir eine Kooperation mit der Stiftung Hamburger Hauptschulmodell eingegangen. Im Kern des Projekts stehen Schulabgänger mit Hauptschulabschluss, die auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz sind.

Das Hamburger Hauptschulmodell wurde im Jahr 2000 vom Hamburger Netzwerk der Initiative für Beschäftigung mit Dr. Michael Otto an der Spitze ins Leben gerufen. Ziel ist es, die Berufsorientierung an den Schulen zu verbessern und die Übergänge in ungeförderte betriebliche Ausbildungsplätze im Anschluss an den Hauptschulabschluss zu erhöhen. Derzeit beteiligen sich an dem Projekt mehr als 90 Hamburger Schulen und 75 Hamburger Unternehmen. Zum ersten Mal zeichnete die Stiftung Hamburger Hauptschulmodell drei Schulen für überdurchschnittliche Ergebnisse beim direkten Übergang ihrer Schüler in eine ungeförderte Ausbildung aus. Die Preise wurden am 29. Januar 2009 im Rahmen unserer Podiumsdiskussion “Werte, welche Rolle spielen sie heutzutage noch bei der Erziehung und Bildung?” von Dr. Otto und Christa Goetsch, zweite Bürgermeisterin und Senatorin der Behörde für Schule und Berufsbildung, im Kaisersaal des Hamburger Rathauses übergeben.

In unserem Projekt Wert – volle Schule sollen den Schülerinnen und Schüler wieder Werte wie Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit intensiver vermittelt werden. Gemeinsam mit ihren Lehrern überlegen die Schüler, was diese Werte bedeuten, wie sie umgesetzt und angewandt werden können. Anschließend erhalten die Schüler Punkte (Credit Points), je nachdem ob und wie gut sie die Werte umgesetzt haben. Ab einem bestimmten Wert wird den Schülern von den begleitenden Unternehmen die Ausbildungseignung in einem Zertifikat bescheinigt, sie erhalten Zugang zu attraktiven Praktikaplätzen und nachhaltige Unterstützung bei der Suche nach einem, ihren Stärken und Interessen entsprechenden, Ausbildungsplatz.

Die Bilanz des Projekts Wert – volle Schule ist ausgesprochen positiv. An der Gesamtschule Bergedorf, die im letzten Schuljahr als zweite  Schule mit dem Projekt begonnen hat, hat sich die  Pünktlichkeit deutlich verbessert und hält auch heute noch an. In der Schule an der Schule Seebek wird sogar für die Primarschule über den Einsatz des Credit Point Systems ab der 1. Klasse nachgedacht.

Dank des Hamburger Hauptschulmodells konnte die Ausbildungsquote der Hamburger Schulabgänger mit Hauptschulabschluss seit Beginn des Modells verdreifacht werden. Außerdem werden Mithilfe der zahlreichen Partnerunternehmen des Hamburger Hauptschulmodells die Lernmöglichkeiten und die Lernmotivation gesteigert. Auch mit praktischen Übungen möchten wir die Wahrnehmung für Werte der Jugendlichen, wie z.B. in einem „Gung Ho“ Rundgang um die Alster, verbessern.

Gemeinsam mit Daniel Wahl, dem Regisseur des Deutschen Schauspielhauses, haben zehn Jugendliche, an diesem Alsterlauf teilgenommen, um mehr über  sich selbst und ihre Leistungs- und Teamfähigkeit zu erfahren. Daniel Wahl, der auch schon den Jugendlichen des Ensembles „Herr der Fliegen“ den Werteweg geebnet hat, hat ihnen die Möglichkeit gegeben, sich gegenseitig kennenzulernen und sich mit den Zielen, Wünschen und Träumen auseinander zu setzen, die Selbsteinschätzung richtig zu dosieren und die Wertschätzung der Arbeit anzuerkennen.

Der Rundgang um die Alster mit verschiedenen Etappen und Aufgaben hat den Schülerinnen und Schülern den Weg ihres nächsten Lebensabschnitts symbolisiert. Sie mussten ihre Sinne schärfen und sich mit Fragen beschäftigen wie: Wie wichtig ist es, meine Arbeit gut zu machen? Was bedeutet Teamwork? Welche Rollen spielen Regeln in dem neuen Lebensabschnitt? Was bedeutet Eigenverantwortung?

Auch die Auseinandersetzung mit dem inneren Schweinehund jedes Einzelnen ist mit in den Alsterrundgang eingebaut worden. So z.B. mit der Frage: Was bedeutet es für mich, wenn mich die Müdigkeit überkommt? Es wurden gemeinsam Strategien entwickelt, das eigene Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und einander zu unterstützen. Die Jugendlichen haben in dem Rundgang auch gelernt, an etwas zu glauben und ihr Ziel zu erreichen.

Nach überstandener Probezeit in den Partnerunternehmen findet im August die Fortsetzung des ersten „Gung Ho“ Rundgangs mit den Jugendlichen statt.