Erfahrungsberichte

Ein Bericht von Liesgret Voss, Teilnehmerin der Sound- und Percussion-Gruppe

Probe:

Am 16. Juni 2010 war es nun soweit, der erste Probentag fand im Tonstudio „Soundhafen Hamburg“ bei unserem Projektleiter Detlef von Bötticher in Altona  statt.
Wir,  13 Teilnehmer im Alter von 12 und 65+ Jahren, trafen uns zum ersten Mal, und es war schon eine gewisse Anspannung zu spüren.
Aber, bei unserer gegenseitigen Vorstellung gab es die erste Überraschung.  Leni und Alfred (beide weit über 80 Jahre alt) erzählten uns, dass sie heute ihren 59-zigsten!  Hochzeitstag hatten. Nun wurde spontan applaudiert, gratuliert und   plötzlich war die Anspannung wie weggeblasen. Alle waren entspannt, fröhlich und wir gingen gleich zum  „ DU“ über. Und wir stellten fest, dass wir  3 Generationen in unserer Gruppe vereinen. Wenn das kein gutes Omen ist?

Das Musikprojekt besteht aus fünf musikalischen Bausteinen, die miteinander oder auch einzeln spielen werden:

  1. Basisband
  2. Chor
  3. Streich-Quartett
  4. Sound- , und Percussion– Gruppe und einer
  5. Film- und Textgruppe

Dann war es soweit. Via CD spielte Detlef uns einige Lieder vor und die Instrumente wurden aus den Regalen, Kisten und Ecken hervorgeholt und verteilt. Da kam Erstaunliches zu Tage, wie z.B.

  1. Regen: Ein ausgetrockneter Kaktusarm. Die Stacheln nach innen geschlagen, rieseln die Samen daran herunter.
  2. Wind: Sieht aus wie ein Staubsaugerschlauch und wird über dem Kopf wie ein Lasso geschwungen

Jetzt begannen die Rhythmusübungen durch Händeklatschen, zusammen oder in  geteilten  Gruppen.  Dann übernahmen die Instrumente das Händeklatschen. Auch wenn es am Anfang dem Chaos näher war, als einem wohltuenden, hörbaren Sound, Detlef behielt die Übersicht und gab ständig Hilfestellung.

Die beste Hilfe war der Satz:

—Schokoladen-eis, macht mich heiß — oder— Schokoladen- Zitro-neneis —
Dazu kamen die Handzeichen von Detlef, der ständig im Kreis in Bewegung war und die Einsätze vorgab.
Also:

  1. Auf „ 4“  geht’s los und bei  „Eis“  ist Schluss.
  2. Ein T-Zeichen bedeutet „ Pause „
  3. Das Auswechselzeichen beim Fußball heißt „ weitermachen“
  4. Das Hals–ab-Zeichen signalisiert „ der Schluss kommt“

(das Zeichen ist gewöhnungsbedürftig, wir arbeiten daran)

Natürlich klappte nicht immer alles. Es gab trotz großer Konzentration aller dennoch hin und wieder  verpasste Einsätze oder ein verspäteter Schluss. Auf jeden Fall auch viel zu Lachen.

Mein Fazit:
Wenn das kein gutes Omen für interessante Gespräche über das Thema Jung und Alt ist. Es hat uns allen viel Spaß gemacht, wir bleiben dabei und werden es schaffen einen Teil zu diesem Projekt und den Zielen von WERTE ERLEBEN beizutragen.

Liesgret Voss

PS: Möchten noch 12 bis 19- jährige zu uns stoßen??? Dann meldet Euch doch bitte unter dem Stichwort:
— „ Schokoladen-eis, macht mich heiß „ —

Wir würden uns sehr darüber freuen.


Davina Altenrath, 16 Jahre, Teilnehmerin im Chor:

Ich merke, dass ich mich durch das Projekt sehr stark verändert habe. Mein Selbstbewusstsein ist von 0 auf 100 gestiegen. ( der Meinung sind übrigens alle ) Ein Solo war meine Zielsetzung, da ich mich das in der Schule nie wirklich getraut habe.

Mirko Frank, musikalischer Gesamtgruppenleiter:

Die Atmosphäre in der Basisband ist extrem freundschaftlich und offen in alle Richtungen. Beide Generationen profitieren voneinander.
Sie hören sehr aufeinander. Die älteren Teilnehmer sind vom Tempo der jüngeren Teilnehmer fasziniert, mit dem sie voran kommen. Genauso profitieren die jüngeren Teilnehmer von der Erfahrung und teils der „Langsamkeit“ der älteren Teilnehmer.

Evamarie Scheibe, 74 Jahre, Saxophon:

Bei diesem Projekt erlebe ich Menschlichkeit pur zwischen alt und jung. Sehen und mit zu erleben wie kreativ junge Menschen sein können ist etwas ganz tolles. Es ist alles easy, das ist das Schöne und man keiner der Teilnehmer aus der Basisband steht nicht unter Druck.

Paul, 16 Jahre, Teilnehmer der „Basisband“:

Alle, denen ich von diesem Projekt erzählt habe, fanden es richtig cool. Bei uns in der Gruppe haben wir z.B. auch einen Saxophonisten, der sich mit den Beatles im Starclub abgewechselt hat – das ist ganz cool.

Ein Bericht von Hannelore Schnapauff
(Mitwirkende im Chor der “Band der generationen”)

Band der Generationen – erste Probenerfahrungen

Der Verein „Werte erleben e.V.“ hat in diesem Jahr ein besonderes Augenmerk auf den „Dialog der Generationen“ gerichtet ist, wo es um das Miteinander von jungen und alten Menschen geht. U.a. sollte eine “Band der Generationen“ gegründet werden.

Als ich (66) davon hörte, dass ein Musikprojekt in Zusammenarbeit mit der Hauptkirche St. Michaelis entwickelt werden sollte, habe ich mich spontan für den Chor gemeldet. Auch mein Partner hatte sogleich Lust, mitzumachen.

Das Thema, das wir gemeinsam musikalisch in den Mittelpunkt stellen, ist der Lebenslauf eines Menschen von seiner Geburt bis zum Tod mit dem Hauptziel: Die Aufführung – eine musikalische Lebensreise.

Im Mai ging es nun mit der ersten Chorprobe los: Die engagierte Musikerin und Musiklehrerin hieß die Chormitglieder: Schüler und Menschen, die das Arbeitsleben hinter sich haben, im Alter von 10 – 90(!) Jahren, willkommen. Allen gemeinsam ist die Freude am Singen. Schnell gelang es ihr – und damit auch uns – miteinander warm zu werden. Anrede mit Vornamen und du, Stuhlkreis mit großen Namensschildern vor den Sängern, rhythmische Body Percussionübungen, verbunden mit Namen und persönlicher Vorstellung halfen uns bald, ein „Wir-Gefühl“ zu entwickeln. Einige von uns waren schon der Bitte nachgekommen, eine CD mit dem absoluten Lieblingsstück mitzubringen. Wir waren überrascht, wie stark das gemeinsame intensive Lauschen der ersten dargebotenen Musikstücke uns verband.

Kathrin hatte für uns einige Noten und Liedtexte vorbereitet, die wir mit ihr und dank ihrer mitreißenden Klavierbegleitung schon bald kräftig mitsingen konnten.

Bei dem nächsten Treffen im Gemeindehaus mit allen Bandmitgliedern, allen Gruppenleitern, den Organisatoren und Vorsitzenden von „Werte erleben“ sagte uns Hauptpastor Röder in einer launigen Ansprache seine Hilfe und Unterstützung zu und ermunterte uns, diesem einmaligen Projekt bis zu der Aufführung im Januar 2011 zum Erfolg zu verhelfen.

Das Besondere an dieser „Arbeit“ ist, dass alle Bandmitglieder am musikalischen Programm wie auch bei der Textarbeit mitwirken können, also kann man sagen: Der Weg ist das Ziel. Und was sich auf diesem Weg ereignet, ist wirklich ein Dialog der Generationen. Nachdem wir Udo Jürgens’ Song „Mit 66 Jahren..“ gesungen hatten, waren eigene Ideen gefragt. Bei den genannten Wünschen für die Zukunft – vielfach schon in Gedichtform – ergaben sich erstaunliche Parallelen zwischen dem, was „Junge“ und „Alte“ wollen: Reisen, Abenteuer, Freiheit mit dem Motorrad oder Wohnmobil, eine Wanderung zum Nordpol, aber auch Ruhe und Entspannung, um zu sich selbst zu finden.

Bei der nächsten Chorprobe übten wir unsere Namen mit viel Rhythmusgefühl, gemeinsam und im Kanon. Eine Pensionärin hatte ihre Gitarre mitgebracht, auf der sie ihren Bob Dylan-Lieblingssong darbot, eine Schülerin ergriff die Gitarre und spielte eine schöne Melodie, es wurde Hochdeutsch, Plattdeutsch und Englisch gesungen, Texte übersetzt , Mehrstimmigkeit improvisiert.

Alles ist irgendwie locker, spontan und doch ergiebig. Als wir zum Schluss aufstanden, umarmte mich die Schülerin, die neben mir gesessen hatte, und drückte mich fest an sich – welch eine Geste!

Hannelore Schnapauff

Marianne von Bötticher, 71 Jahre,
Teilnehmerin der Text- und Filmgruppe:

…oder Davina aus dem Chor. Ich wollte sie interviewen, aber sie war so schüchtern, dass sie nur stotterte, es war ihr so peinlich und ich fand mich auch ziemlich doof dabei. Später bei einer Gesamtprobe, traute ich meinen Augen und Ohren nicht. Eben dieses Mädchen sang total selbstbewusst ein Solo! Ich fragte sie, ob sie sich noch an das Interview erinnerte. Sie strahlte mich an und nickte.

Gestaunt habe ich auch über Eugen. Manchmal hatte er gar keine Lust, und es war schwierig ihn zu motivieren. Aber er hielt durch und war unglaublich stolz über den wohlverdienten Applaus. Er war mit seinen 13 Jahren auch von der Grundidee von WERTE ERLEBEN überzeugt. Als Evamarie auf dem Glatteis gestürzt war und Eugen sich seine Schulter beim Sport ernsthaft  verletzt hatte und seine Klarinette nur noch mit Mühe halten konnte, haben die beiden sich auf dem Heimweg gegenseitig gestützt und getröstet.