Erfahrungsberichte

Kunstprojekt Respekt – Füreinander:  Die Teilnehmer haben das Wort

„Respekt ist diamantisch“.

„Wächst Euer Baum in den Himmel oder die Hölle?“  Was die beiden Künstlerinnen auf diese Frage geantwortet haben, entzieht sich der Kenntnis. Insgesamt wuchsen im Projekt „Respekt-Füreinander jedoch fast alle Bäume in den Himmel und alle Projekte nahmen zunehmend Form und Gestalt an nach dem Motto „Das ist Top.“ „Nein, ein T-Shirt“ (Janika 1995).

Ob T-Shirt oder Fliege, ob Baum oder Bild, Plastik oder Holzschnitt, alles begann mit einer intensiven Diskussion über den Begriff Respekt.

„Respekt bedeutet für mich, den andern achten und wertschätzen – zuerst als Mensch, auch wenn ich andere Lebensvorstellungen habe „(Rena Tiltmann, 1945). Oder „dass alle gleich berechtigt werden“(Julian, 1997).

„Während die ältere Generation unter Respekt positiv an Achtung und Ehrerbietung dachte, verstand die junge Generation eher ein aggressives und autoritäres Einfordern von Beachtung einer anderen Person darunter“ (Brigitte, 1947).

Von Achtung und Achtsamkeit über Anerkennung und Wertschätzung, gemischt mit einer gehörigen Portion Toleranz reichten die Facetten unterschiedlicher Vorstellungen zu diesem Thema. So brachte es  Ellen(1945) treffend auf den Punkt „Respekt ist diamantisch“.

Zwei Lebenszeiten, zwei Welten?

Viele Teilnehmer erfuhren erst im Laufe des kreativen Prozesses, dass „ein so scheinbar banales, selbstverständliches Thema wie Respekt  viele Facetten hat, die man nur erleben kann, wenn man sich mit anderen Menschen auseinandersetzt“. (Mona Marie Wand, 1994)

Wer sich  darauf  einließ, „unterschiedliche Sichtweisen auf dasselbe Objekt als etwas wertvolles zu erkennen“ (Marianne, 1938) wurde reich belohnt: Gunter (1943) verlor seine Scheu vor Jugendlichen. Johanne (1994) begriff, „dass alt nicht gleich alt ist. Anstelle von Rentnern, die geistig und körperlich nicht mehr so ganz da sind“ erwarteten Johanne (1994) ältere Mitstreiter, die „witzig und schlau und natürlich ganz anders sind als (wir) Jugendlichen, aber anders ist gar nicht so schlecht“. Wenn es Schwierigkeiten im Dialog und der Zusammenarbeit gab, meint Felicia (1994), „lag das nicht allein am Altersunterschied, sondern auch an der Sympathie füreinander“. Meo (1994) fand als Einziger, „die regelmässige Zusammenarbeit mit alten Menschen habe gezeigt, dass unsere Weltsichten unglaublich unterschiedlich sind“, „dass wir aus zwei Zeiten, zwei Welten kommen und dass es unheimlich schwer ist, einen Kommunikationsweg zwischen diesen Welten zu finden“. Alle Anderen hielten es mit Erika(1942), die  meinte „die Arbeit und die Gespräche sowie unterschiedlichen Meinungen von jungen und älteren Teilnehmern sind eine Bereicherung für mich“.

Das „offene echte Interesse, die gegenseitige Neugier und Anteilnahme, das tiefe Kennenlernen in vielseitigen Gesprächen“ (Gunhild, 1949) führte zu einer von allen als ausgesprochen spannenden, aber auch als besonders harmonisch empfundenen Grundstimmung während der Arbeitssitzungen.

…den Holzrahmen endlich in den Hühnerkörper zu bekommen…(Lea 1995)

kann zu einem echten Erfolgserlebnis werden. Davon gab es reichlich: ganz persönliche Erfolge (s.o.), aber auch Gemeinschaftserfahrungen.

Der Auftakt, das gemeinsame Kochen, essen und feiern im Circus Mignon wurde für die meisten zu einem der herausragenden Ereignisse: „Das Kochen mit den Teilnehmern hat mir gut gefallen und dass alle sich viel geholfen haben“ (Luisa, 1997). Die Hilfsbereitschaft und der Austausch von „Knowhow“ über die Generationen hinweg klappte vorzüglich. So war für Hans-Gerd (1944) sein schönster Augenblick,“ einem jungen Mädchen zu zeigen, wie man einen Hammer richtig in der Hand hält“. „Die schönsten Momente waren, als ich sah, wie alle zusammenwachsen und sich verstehen“(Magdalena 1998)

Verschiedenheit gemeinsam leben

„Die Arbeit mit einer anderen Generation hat mir gezeigt, dass es überhaupt keine Rolle spielt, wie alt man ist, sondern dass man offen füreinander ist. Alter ist kein Hindernis, um gute Freunde zu finden“ (Mona Marie, 1994).  Diese Offenheit, das Interesse aneinander und die Möglichkeit, sich über Altersgrenzen hinweg beim gemeinsamen Tun waren  Voraussetzung dafür, dass Jung und Alt einander unvoreingenommen entdecken konnten: „Bei mir sind viele Vorurteile verschwunden“ meint Jessica (1995)und wird bestätigt durch Almuth (1945), die sagt: „Vorurteile  wurden abgebaut, das aufeinander Hören wurde gestärkt“.  Die Jungen geben zu: „Viele ältere Menschen waren sehr inspirierend“ (Jana, 1995). Aber auch die Älteren räumen ein: “Hinter der coolen Haltung einiger Jugendlicher kommt die Verletzlichkeit hervor, wenn ich mich von der Oberfläche nicht verunsichern lasse. Das hat mich überrascht und gefreut und zum Dialog geführt (Ellen, 1945). „Die Jugend ist besser als ihr Ruf…“ stellen Heike und Gerd fest.

Dabei verschlossen die Teilnehmer nicht die Augen vor der Tatsache, dass es Unterschiede gibt: „Unsere Vorstellungen von Werten sind sehr unterschiedlich. Ich betrachte sie nun mit offenen Augen“ (Frauke, 1941). „Vor dem Projekt zeigte ich kein richtiges Interesse an der älteren Generation, das hat sich geändert (Catalina, 1994).  Einen gravierenden Unterschied zwischen den Altersgruppen gab es doch: Luisa (1997) stellte amüsiert und zutreffend fest, „dass auf die Frage nach der Uhrzeit die Alten auf ihre Armbanduhr, die Jungen auf ihre Handys oder Ipods gucken“

Mit großer Dankbarkeit gegenüber dem Verein Werte erleben e.V. haben alle Teilnehmer die Chance bewertet, im Projekt mitmachen und daran wachsen zu dürfen.

Christine (1940) spricht insofern allen aus dem Herzen, wenn sie sagt:

„ Werte leben ist ein Weg, der verändert. Dank, großen Respekt an das ganze Team. Es war ein Geschenk, dabei sein zu dürfen.“